Fachartikel

Sedimentvolumen in Absetzbecken richtig bestimmen: Fallstricke der Stichprobenmessung

Dipl.-Ing. David Mauro, Geospector München

Zur Sicherstellung der Rückhalte- und Absetzfunktion müssen Anlagen zur Regenwasserbehandlung regelmäßig – meist jährlich – auf Sedimenteinträge überprüft werden. Beim Überschreiten von Ablagerungsdicken oder -volumina werden sie dann aufwendig und kostspielig gereinigt.

Die genaue Erfassung der Sedimenteinträge ist v. a. bei Anlagen im Dauerstau schwierig und erfolgt meist nur stichpunktartig. In Verbindung mit komplexen Beckengeometrien kann diese Vorgehensweise zu grob fehlerhaften Ergebnissen führen und ist somit als Entscheidungs- und Planungsgrundlage oftmals untauglich. Im Folgenden werden die typischen Fallstricke anhand eines Beispiels aus der gelebten Praxis aufgezeigt und eine Lösung für genauere Erfassungen vorgestellt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der übliche Ansatz „Wasserfläche × Ø Sedimentdicke“ kann bei kleinen Becken mit schrägen Ufern grob falsch liegen.
  • Im Praxisvergleich: Abweichungen von bis zu 100 % des berechneten Sedimentvolumens.
  • Rechenbeispiel: 202 m³ berechnet – tatsächlich nur 76,2 m³.
  • Abhilfe: Beckengeometrie berücksichtigen, deutlich mehr Stützstellen, Sedimentfläche statt Wasserfläche – oder flächendeckend messen.

Gängige Stichproben-Messungen mit Sondierungsstange

Die Sedimentstärke wird meistens mittels einer Sondierungsstange gemessen. Im einfachsten Fall wird diese von der Wasseroberfläche aus bis zur Sohle vorgetrieben; beim Einholen zeigen die Anhaftungen direkt die Schlammdicke an. Die Wasseroberfläche von Becken im Dauerstau ist i. d. R. aber schwer zugänglich; nur selten lassen sich bei günstigen Geometrien oder über Stege auch vom Ufer aus die tieferen Bereiche der Anlage bis zur Sohle erfassen.

Oftmals müssen daher umständlich und mit großem Sicherheitsaufwand Boote eingesetzt werden, um eine gleichmäßige Abdeckung der gesamten Anlagenfläche zu erhalten. Die Messungen bleiben gewöhnlich auf wenige Stellen beschränkt und werden bezüglich der Lage nur schematisch dokumentiert.

Grobe Fehler durch den Durchschnitts-Ansatz „Wasserfläche × Ø Sedimentdicke“

Nachdem die vermeintlich repräsentativen Stichproben erfasst worden sind, werden diese i. d. R. durch einfache Mittelwertbildung zu einer durchschnittlichen Sedimentdicke aggregiert und dann durch Multiplikation mit der Wasserfläche zu einem Sedimentvolumen verrechnet. Diese Vorgehensweise ist bei größeren Anlagen und Teichen durchaus zielführend. Bei kleinen Becken und Teichen mit komplexen Sohlverläufen und schrägen Ufern können dabei aber grobe Fehler entstehen, die weit über das übliche Maß von Messunsicherheiten hinausgehen. Das betrifft besonders Absetzbecken, bei denen diese Merkmale üblicherweise vorhanden sind.

Diese Erkenntnis ergab sich in der letzten Zeit bei realen Anlagenvermessungen mit dem im Folgenden vorgestellten alternativen Verfahren, das exakte Ergebnisse liefert. Der Vergleich mit Vermessungen der letzten Jahre, die mit dem Durchschnittsverfahren gemacht worden waren, zeigte Abweichungen von bis zu 100 % des berechneten Sedimentvolumens. Möglicherweise wurden dadurch in der Vergangenheit entweder unnötige Sanierungen initiiert oder tatsächlich notwendige unterlassen (die Volumenabweichungen können sowohl positiv als auch negativ sein). Das motivierte den Autor, diesen Artikel zur Sensibilisierung für das Thema zu veröffentlichen.

Fehlerquellen und mögliche Verbesserungen des Durchschnittsverfahrens

Die alten und neu gemessenen Sedimentstärken der Anlagenvermessungen waren durchaus vergleichbar (kurzer zeitlicher Abstand); daher war der Fehler in der Verteilung der Stichproben und der Durchschnittsauswertung zu suchen. Zur Veranschaulichung ein abstrahiertes, aber reales Vermessungsbeispiel eines typischen Absetzbeckens:

Innerhalb der Wasserfläche wurden ursprünglich fünf halbwegs gleichverteilte Sondierungen vorgenommen (Abbildung 1). Die Berechnung mit dem Durchschnittsverfahren (Tabelle 1) ergibt einen Volumenwert von 202 m³. Aus der Geometrie des Beckens und der Sedimenteinträge (Abbildung 2) ergibt sich jedoch ein tatsächliches Volumen von 76,2 m³!

Draufsicht auf die Wasseroberfläche mit Lage der fünf Sondierungen und gemessener Schlammdicke
Abbildung 1: Draufsicht auf die Wasseroberfläche mit Lage der Sondierungen und der gemessenen Schlammdicke
Geometrie des Beckens mit Wasserkörper (blau), Sedimenteinträgen (grün) und Position der Sondierungen (rot)
Abbildung 2: Geometrie des Beckens, des Wasserkörpers (blau) und der Sedimenteinträge (grün), deren Oberfläche als Ebene mit konstanter Höhe modelliert ist; Position der ursprünglichen Sondierungen (rot)

Bei Betrachtung der Beckengeometrie fällt auf, dass die zunächst flächenmäßig halbwegs gleichverteilten Sondierungen in Wirklichkeit die tiefen Beckenbereiche mit höherer Sedimentbelastung stärker gewichten – der Mittelwert ist somit nicht mehr repräsentativ.

Ein möglicher erster Versuch zur Verbesserung ist die Hinzunahme weiterer Sondierungen, v. a. in den Randbereichen (Abbildung 3, links). Als letzte Korrektur wird anstelle der Wasserfläche die tatsächliche Sedimentfläche verwendet (Abbildung 3, rechts).

Zusätzliche Sondierungen (links) und Verwendung der Sedimentfläche statt der Wasserfläche (rechts)
Abbildung 3: Schrittweise Verbesserungen – zusätzliche Sondierungen (links) und Verwendung der Sedimentfläche (rechts)

Tabelle 1: Volumenberechnung mit schrittweiser Verbesserung des Ergebnisses

BerechnungØ (Sediment-)DickeFlächeVolumen = Fläche × Ø Dicke
Ursprüngliche Messung (Abbildung 1)1/5 × (3 × 1,50 m + 2 × 0,28 m) = 1,01 mWasser: 10 m × 20 m = 200 m²200 m² × 1,01 m = 202 m³
Erweiterte Messung (Abbildung 3, links)1/9 × (3 × 1,50 m + 6 × 0,28 m) = 0,69 mWasser: 10 m × 20 m = 200 m²200 m² × 0,69 m = 137 m³
Mit Schlammfläche (Abbildung 3, rechts)1/9 × (3 × 1,50 m + 6 × 0,28 m) = 0,69 mSediment: 16 m × 6,40 m = 102,40 m²102,40 m² × 0,69 m = 71 m³

Dieser Wert entspricht schließlich mit ausreichender Genauigkeit dem tatsächlichen Volumen. Aus diesem Beispiel lassen sich folgende Schlüsse ziehen:

  • Obwohl flächig gleichmäßig verteilt, kann der Mittelwert der Stichproben je nach Beckengeometrie und Verteilung stark fehlgewichtet sein und wird somit für eine Volumenbestimmung unbrauchbar.
  • Die Beckengeometrie ist daher bei der Sondierungsplanung und bei der Auswertung zwingend zu berücksichtigen.
  • Für eine sichere Volumenbestimmung sind weitaus mehr Stützstellen notwendig, als bislang üblicherweise verwendet werden.
  • Als Multiplikationsgröße ist bevorzugt nicht die Wasserfläche, sondern die Sedimentfläche zu verwenden – insbesondere dann, wenn nicht bis an die Uferlinie sondiert werden kann (Untiefen, Unterwasservegetation, Schilfbereiche).

In der Praxis dürfte die Umsetzung dieser Empfehlungen mit großem Aufwand verbunden oder gar unmöglich sein. Insofern bietet sich eine alternative Vorgehensweise an, die i. d. R. wesentlich schneller und günstiger ist und dabei exaktere Volumenwerte liefert.

Die Lösung: flächendeckende Vermessung mit Geospector DTS Acqua

Aus den obigen Schlussfolgerungen ergibt sich folgender Lösungsansatz:

  • hochaufgelöste und flächendeckende Messung anstatt einzelner Stützstellen
  • Berücksichtigung des tatsächlichen Sohlverlaufs bei der Auswertung

Im Gegensatz zu einzelnen, manuellen Sondierungen beim Durchschnittsansatz werden alle Messungen gesamthaft und detailliert mit spezialisierter Drohnensensorik (Luft, Wasser, Unterwasser) automatisiert vorgenommen (Abbildung 4).

Geospector DTS Acqua: Drohnenmessung über einem Absetzbecken (Symbolbild)
Abbildung 4: Geospector DTS Acqua (Symbolbild)
  1. Sohlverlauf: Zunächst wird der Sohlverlauf bzw. die Geometrie des Beckens durch automatisierte Sondierungen (Quer- und Längsprofile) rekonstruiert (Abbildung 5). Sind bereits Pläne vorhanden, werden diese zunächst durch Messungen plausibilisiert und einbezogen. Das Ergebnis ist ein genaues Modell des künstlich oder natürlich angelegten Sohlverlaufs.
  2. Sedimentspiegel: Im zweiten Schritt wird der Sedimentspiegel über die gesamte Wasserfläche deckend und hochdetailliert erfasst (Abbildung 6). In schwer zugänglichen Bereichen (z. B. Schilfgürteln) wird dazu eine spezialisierte Flugdrohne eingesetzt. Als Ergebnis entsteht ein genaues Tiefenmodell der Ablagerungen, und kritische Stellen mit hohen Einträgen lassen sich leicht identifizieren.
  3. Volumen: Im letzten Schritt werden die beiden Modelle gerastert (typisch 0,50 m × 0,50 m) und die gegenseitigen Höhendifferenzen gebildet, die den Sedimentstärken an den jeweiligen Rasterpunkten entsprechen. Die Integration über die gesamte Anlagenfläche ergibt dann das exakte Sedimentvolumen (Abbildung 7).
3D-Modell des Sohlverlaufs eines Absetzbeckens
Abbildung 5: Modell des Sohlverlaufs
3D-Modell der Oberfläche der Sedimenteinträge als Farbkarte
Abbildung 6: Oberfläche der Sedimenteinträge
Sedimentdicken und Sedimentvolumen nach Rasterung, Differenzbildung und Integration
Abbildung 7: Sedimentdicken und -volumen nach Rasterung, Differenzbildung und Integration

Diese Grundlagendaten können dann je nach Anforderungen zu 2D- und 3D-Plänen, Zustandsberichten, Visualisierungen etc. weiterverarbeitet werden.

Durch den Einsatz neuester Drohnen- und Sensortechnologie ist diese Vorgehensweise tatsächlich schneller und wirtschaftlicher durchzuführen als herkömmliche Verfahren – bei gleichzeitig unerreichter Präzision.

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