Fachartikel

Tiefenmessung von Gewässern mit Drohnen

Dipl.-Ing. David Mauro, Geospector München · Erstveröffentlichung im Sonderheft „Messtechnik im Bauwesen 2023“ (Ernst & Sohn Special 2023, S. 31–33)

Der Einsatz ferngesteuerter Sensorik in der Luft, auf dem Wasser und auf dem Boden verspricht in den nächsten Jahren äußerst spannend zu werden – nicht nur als Alternative zur klassischen Vermessung, sondern auch durch die Ermöglichung vollkommen neuer Einsatzgebiete. Endlich ist auch eine effiziente Tiefenvermessung von natürlichen und künstlichen Kleingewässern möglich: Teiche, Seen und Becken können jetzt mit innovativer Drohnensensorik innerhalb kürzester Zeit vermessen und inspiziert werden. Besonders wichtig ist das bei kritischen und dynamischen Gewässern mit starken Sediment- und Schlammeinträgen. Insbesondere Kommunen, Betriebs- und Wartungsverantwortliche sowie Wasserbauer haben hier einen zunehmenden und oftmals drängenden, aber aufgeschobenen Bedarf.

Das Wichtigste in Kürze

  • Teiche, Seen und Becken werden per Drohne flächendeckend vermessen – ohne Stege, Kräne oder Boote.
  • Ein durchschnittliches Kleingewässer ist in rund einer Stunde erfasst; die Genauigkeit liegt mit GNSS-RTK bis 25 m Wassertiefe im Zentimeterbereich.
  • Ablagerungsoberfläche und Gewässersohle werden getrennt gemessen – die Differenz ergibt die Schlamm- bzw. Sedimentdicke.
  • Ergebnis: Tiefenmodell sowie Ablagerungs-, Leer- und Restvolumen als Grundlage für Sanierungs- und Räumungsentscheidungen.

Das Messverfahren DTS Acqua

Bislang gab es keine einfache Lösung: Für Sondierungen mussten Stege angelegt oder Kräne eingerichtet werden, und der Einsatz von Booten war oftmals aufgrund fehlender Zufahrten unmöglich. Selbst unter optimalen Bedingungen war eine Messung nur an einzelnen Stellen – idealerweise an den kritischen – möglich und eine genaue Dokumentation manuell zu erstellen.

Hier bietet das Messverfahren DTS Acqua, entwickelt vom Spezialisten für Drohneneinsätze Geospector, eine Lösung, die als Dienstleistung zur Verfügung steht: Der Drohnen-Lasermapper von Geospector wurde um weitere Sensorik wie Sonar, ein effizientes Sondierungssystem und eine Unterwasserkamera zu DTS Acqua erweitert.

Drohne mit Sonar über einem Regenrückhaltebecken, darunter farbiges Tiefenmodell der Beckensohle
Bild 1: Sinnbildliche Darstellung der Tiefenmessung per Drohne

Damit lassen sich ohne weitere Vorarbeiten innerhalb kürzester Zeit – im Gegensatz zu punktuellen Sondierungen – flächendeckende Tiefenmodelle vermessen. Die Genauigkeit liegt mittels GNSS-RTK bei einer Wassertiefe bis zu 25 m im Zentimeterbereich. Die Messdaten werden bereits während der Messung prozessiert, dokumentiert und unmittelbar auf einer Karte visualisiert, um bspw. kritische Bereiche detaillierter untersuchen zu können.

Somit bietet dieses Messverfahren einen vollkommen neuen Ansatz für die Gewässervermessung: Noch nie war es so einfach – bei gleichzeitig niedrigen Kosten –, exakte und flächendeckende Tiefenmodelle zu erzeugen. Die Messdaten können zu Punktwolken und CAD-Modellen weiterprozessiert und für Soll-Ist-Vergleiche und Volumenbestimmungen verwendet werden.

Das Tiefenmodell eines durchschnittlichen Kleingewässers kann innerhalb von einer Stunde über die gesamte Fläche erfasst werden. Der anschließende Abgleich mit den Sollprofilen (geometrische Becken oder naturnahe Teiche) liefert über die flächenhafte Verteilung von Schlamm- bzw. Sedimentdicken das Minderungsvolumen.

3D-Modell eines Regenrückhaltebeckens mit Ablagerungen von Sedimenten und Schlamm am Beckenboden
Bild 2: Ablagerung von eingetragenen Sedimenten und Schlamm am Beckenboden
Farbiges Tiefenmodell der Beckensohle eines Regenrückhaltebeckens
Bild 3: Tiefenmessung der Beckensohle

Erläuterung des Verfahrens am Beispiel eines Regenrückhaltebeckens (RRB)

Bestimmung der Schlammdicke und Volumenminderung

Regenrückhalteanlagen benötigen für den sicheren Betrieb ein Mindest-Fassungsvolumen, das sich im Laufe der Zeit durch den Eintrag von Schlamm und Sedimenten vermindert. Daher ist eine kontinuierliche Überprüfung notwendig, die bei Anlagen mit Dauerwasserstau bislang sehr aufwendig war (Sondierung mit Schlauchbooten, Steganlagen) und daher – wenn überhaupt – meist nur punktuell an wenigen Stellen durchgeführt wurde.

Oftmals wurden die Anlagen vor vielen Jahrzehnten gebaut, und es gibt große Unsicherheiten im Sohlverlauf, da exakte Pläne fehlen, Umbaumaßnahmen nicht ausreichend dokumentiert und keine Nullmessungen gemacht wurden. DTS Acqua kann daher auch den Sohlverlauf bestimmen, fehlende Nullmessungen nachholen und ungenaue Pläne aktualisieren. Mit dieser zuverlässigen Entscheidungsgrundlage lassen sich die Kosten von Sanierungs- und Reinigungsmaßnahmen minimieren und im Idealfall sogar komplett vermeiden.

Klassische Vorgehensweise: Sondierung

Bisher gab es nur die Möglichkeit der Sondierung. Ein Sondierstab wird vom Ufer, Steg oder Boot aus an ausgewählten Stellen senkrecht durch die Ablagerung bis zur Gewässersohle gestoßen; nach dem Zurückholen des Stabs wird die Ablagerungsdicke D direkt über die Anhaftungen bestimmt. Im Falle von Kies o. ä. Material versagt diese Methode, und es kann versucht werden, die Dicke über den abgelesenen Wasserstand bei Berührung der Ablagerungsoberfläche zu schätzen. Eine automatische Dokumentation von Lage und Dicke erfolgt dabei nicht, und insgesamt ist das Vorgehen i. d. R. auf wenige Stichproben beschränkt.

Schemaschnitt: herkömmliche Sondierung mit Sondierstab durch die Schlammschicht
Bild 4: Herkömmliche Sondierung

Vorgehensweise mit DTS Acqua

Im Gegensatz zur klassischen Sondierung werden die Ablagerungsoberfläche und das Sohlniveau getrennt vermessen. Dabei steht je nach örtlichen Gegebenheiten eine Vielzahl von drohnengestützten und manuellen Verfahren (Laserscan, Sonar, automatische Sondierung etc.) zur effizienten und flächenhaften Erfassung zur Verfügung. Neben den vertikalen Distanzen h werden mittels GNSS-RTK bei allen Verfahren einheitlich die zentimetergenauen Lagekoordinaten X erfasst und in Echtzeit zur Weiterverarbeitung auf einen Server übertragen.

Die Ablagerungsdicke D ergibt sich danach durch Differenzbildung der absoluten Höhen zwischen Oberkante der Ablagerung und der Gewässersohle (Gleichung 1):

D = hO – hS = hO-GNSS – dO – (hS-GNSS – dS)   (1)

Schemaschnitt: Bestimmung der Ablagerungsdicke D aus GNSS-Höhen von Ablagerungsoberfläche und Sohle
Bild 5: Ablagerungsdicke D

In der Praxis liegen meist CAD-Pläne oder Handskizzen der Gewässergeometrie vor, sodass nur wenige Messungen des Sohlverlaufs zur Plausibilisierung und ggf. Korrektur der Pläne benötigt werden. In diesem Fall ist die Vorgehensweise wie folgt:

  1. Punktuelle Messung des Sohlverlaufs
  2. Flächenhafte Messung der Ablagerungsoberfläche
  3. Festlegung der Höhen- und Georeferenz zum Abgleich der CAD-Daten mit den GNSS-Messungen
  4. Modellierung der Gewässersohle, dabei Plausibilisierung durch Schritt 1 und ggf. Korrekturen
  5. Bestimmung der Ablagerungsdicken durch Differenzbildung
  6. Weitere Auswertungen wie Volumenbestimmungen

1. Punktuelle Messung des Sohlverlaufs

Mittels der Sondierungsdrohne werden mehrere Quer- und Längsprofile aufgenommen. Im Falle einer unbekannten oder natürlichen Sohlgeometrie kann durch entsprechende Verdichtung auch auf bestehende CAD-Pläne verzichtet und die Sohlgeometrie ausschließlich durch die automatisierten Sondierungen bestimmt werden.

Schemaschnitt: punktuelle Messung des Sohlverlaufs mit der Sondierungsdrohne
Bild 6: Punktuelle Messung des Sohlverlaufs

2. Flächenhafte Messung der Ablagerungsoberfläche

Über Sonar oder bathymetrischen Laserscan wird die gesamte Ablagerungsfläche dicht erfasst, um auch lokale Anhäufungen oder Ausspülungen detailliert ausmachen zu können.

Schemaschnitt: flächenhafte Messung der Ablagerungsoberfläche per Sonar
Bild 7: Messung der Ablagerungsoberfläche

3. Festlegung der Höhen- und Georeferenz

Es werden mehrere Geländepunkte mittels GNSS-RTK eingemessen, für die in den CAD-Plänen Höhenangaben vorhanden sind (z. B. Unterkante Zulauf). Nach einer Plausibilisierung werden die Transformationsparameter vom CAD-Plan in das aktuelle GNSS-System festgelegt.

Schemaschnitt: Festlegung der Höhen- und Georeferenz über GNSS-Messung am Zulauf
Bild 8: Festlegung der Höhen- und Georeferenz

4. Modellierung der Gewässersohle

Die CAD-Pläne werden transformiert und mittels der Sohlsondierungen plausibilisiert, eventuelle Abweichungen werden korrigiert, und es wird ein 3D-Tiefenmodell der Gewässersohle erstellt.

Schemaschnitt: modellierte Gewässersohle unter der Ablagerung
Bild 9: Modellierung der Gewässersohle
3D-Modell der Geometrie eines leeren Regenrückhaltebeckens nach dem Bau
Bild 10: Die Geometrie des Rückhaltebeckens nach dem Bau im leeren Zustand

5. Bestimmung der Ablagerungsdicken D

Von den Höhenwerten hO aller Oberflächenmessungen werden die entsprechenden Höhenwerte des Sohlmodells abgezogen; es ergibt sich der jeweilige Wert für die Ablagerungsdicke D. Da gleichzeitig die Lagekoordinaten PO bekannt sind, ergibt sich eine flächenhafte Darstellung der Ablagerungshöhen auf der Gesamtfläche der Gewässersohle.

Schemaschnitt: Bestimmung der Ablagerungsdicken D durch Differenz von Oberfläche und Sohle
Bild 11: Bestimmung der Ablagerungsdicken D

6. Weitere mögliche Auswertungen

Die grundlegende Auswertung der Messungen bis zur flächenhaften Bestimmung der Ablagerungshöhen ist damit abgeschlossen. Je nach Aufgabenstellung sind weitere Auswertungsschritte sinnvoll:

  • Ablagerungsvolumen: Die einzelnen Ablagerungsdicken D werden auf der Fläche der Gewässersohle gerastert (z. B. 1 m × 1 m) und aufsummiert. Es ergibt sich das Gesamtvolumen der Ablagerungen in m³. Nicht vermessene Bereiche (z. B. aufgrund von Vegetation) können i. d. R. plausibel abgeschätzt und bei der Volumenbestimmung berücksichtigt werden.
  • Leervolumen: Mit dem Sohlmodell lässt sich das Leervolumen des Beckens ohne Ablagerungen bestimmen (bei Normal- oder Maximal-Wasserstand).
  • Restvolumen: Das Restvolumen kann aus dem Leer- oder Ablagerungsvolumen absolut in m³ oder prozentual angegeben werden.
Farbkarte der Ablagerungsdicken im Regenrückhaltebecken aus dem Soll-Ist-Vergleich
Bild 12: Der Abgleich mit der Soll-Geometrie ergibt Ablagerungsdicke und -volumen

Erstveröffentlichung

Dieser Beitrag erschien zuerst im Sonderheft „Messtechnik im Bauwesen 2023“ (Ernst & Sohn Special 2023, Rubrik „Geopositionierung & Digitale Welt im Bauwesen“, S. 31–33). Das Sonderheft kann beim Verlag Ernst & Sohn bestellt werden: Messtechnik im Bauwesen 2023 bei Ernst & Sohn.

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